Maßgeschneiderte Fortbildung für Wirtschaftsanwälte

Dr. Viola Sailer-Coceani ist Partnerin im Münchener Büro von Hengeler Mueller. Sie gehört zum Team der für das Programm verantwortlichen Partner und hat die Entstehung und Entwicklung der Akademie eng begleitet. 

Im Jahr 2009 wurde die HM Akademie St. Gallen eingeführt. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Viola Sailer-Coceani: Wir alle, das Organisationsteam und die gesamte Sozietät, sind extrem stolz auf unsere HM Akademie St. Gallen. Drei ambitionierte Ziele haben wir uns bei ihrer Einführung gesetzt: Erstens sollte die HM Akademie St. Gallen für alle Associates ab dem ersten Jahr da sein, nicht nur für Seniors oder einige Wenige. Zweitens wollten wir nicht nur Wirtschaftsrecht lehren, sondern auch Wirtschaft und Soft Skills. Und drittens wollten wir, dass jeder Teilnehmer einen wissenschaftlichen Abschluss einer international anerkannten Top-Universität erreicht, den er sich schwarz auf weiß in den Lebenslauf heften kann. Wir sind sehr glücklich, dass wir alle drei Ziele erreicht haben. Die HM Akademie St. Gallen ist ein Teil von uns geworden.

Hätten Sie beim Startschuss gedacht, dass die Akademie so ein großer Erfolg werden würde?

Vom Erfolg waren wir immer überzeugt, aber natürlich war uns klar: das ist die "First Class"-Variante eines Rechtsanwalts-Fortbildungsprogramms mit einer sehr ambitionierten Zielsetzung. Das war und ist eine große Herausforderung und erfordert viel Zeit und Commitment der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, des Organisationsteams sowie der Partner und Counsel, die die wirtschaftsrechtlichen Vorlesungen halten. Bei 15 fünftägigen Modulen pro Jahr ist das ein ganz enormer Einsatz seitens aller Beteiligten. Umso mehr freuen wir uns alle, dass dieHM Akademie St. Gallen "hochgelaufen" ist und so gut angenommen wird. Die gesamte Sozietät steht hinter diesem Ausbildungsformat.

Hat sich die HM Akademie St. Gallen über die Jahre verändert?

An den Kernprinzipien und den "drei Säulen" aus Recht, Wirtschaft und Soft Skills haben wir nie gerüttelt. Wichtig war uns aber von Anfang an, den Lehrplan laufend an aktuelle Entwicklungen und die Bedürfnisse unserer Associates und unserer Sozietät anzupassen. Zu diesem Zweck holen wir auch nach jedem einzelnen Modul schriftliches Feedback der Teilnehmer ein, und zum fünfjährigen Bestehen haben wir die Akademie in einer breitangelegten Umfrage evaluiert. Diese Rückläufe führen immer wieder zu Neuerungen. Zuletzt haben wir beispielsweise den starken Zuspruch zu der zweitägigen Accounting-Vorlesung zum Anlass genommen, eine Vertiefungsveranstaltung "Transaktions-Accounting" aufzunehmen. Insgesamt ist hierdurch ein einzigartiger Lehrplan entstanden, den wir in engster Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen für unsere Bedürfnisse als international agierende Wirtschaftskanzlei maßgeschneidert haben.

Was sind die aktuellen Themen und Entwicklungen für die HM Akademie St. Gallen?

Zum einen gibt es natürlich aktuelle rechtliche Entwicklungen, die wir in die HM Akademie St. Gallen integrieren. Beispielsweise haben wir neue Ausbildungstage zu den Themen "Compliance und Internal Investigations" und "Märkte und Industrien" geschaffen. Die spannendste strukturelle Entwicklung, die uns aktuell beschäftigt, besteht darin, dass seit Hochlaufen der Akademie jedes Jahr ein kompletter Jahrgang das Diploma of Advanced Studies ablegt und dadurch den Executive MBA komplettieren kann. Der erste Teilnehmer hat dies auch bereits getan. Von zahlreichen anderen Kolleginnen und Kollegen bekommen wir Anfragen nach Möglichkeiten zur MBA-Vervollständigung. Ich habe den Eindruck, dass viele, die sich nach Erwerb des Diploms erstmalig näher mit den Voraussetzungen für die Erlangung eines MBA beschäftigen, erst richtig realisieren, wie schön es ist, 30 der erforderlichen Credit Points berufsbegleitend bereits in der Tasche zu haben.

Würden Sie sagen, dass die HM Akademie St. Gallen etwas an der Sozietät verändert hat?

Ich denke, dass die HM Akademie St. Gallen den Zusammenhalt in der Sozietät noch verstärkt hat. Das gilt zum einen natürlich für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Zweimal im Jahr treffen sie sich für jeweils fünf Tage mit anderen Kolleginnen und Kollegen, die zur selben Zeit bei uns angefangen haben. Dadurch lernt man sich auch büroübergreifend kennen; es entstehen Freundschaften und Netzwerke. Zum anderen erfordert die HM Akademie St. Gallen auch ein hohes Commitment der Partner und Counsel, die als Dozenten tätig sind. Und wir alle arbeiten daran, dass die Teilnahme an der Akademie immer möglich ist. Das funktioniert nur über Identifikation mit der Akademie, und Identifikation schafft Zusammenhalt.

Und was ist die größte Herausforderung an der Akademie?

15 Module pro Jahr mit im Schnitt über 20 Teilnehmern bedeuten natürlich eine große organisatorische und administrative Herausforderung. Unser Organisationsteam kümmert sich um die Veranstaltungsorte in St. Gallen und anderswo, um Rahmenprogramme wie das berühmte Käsefondue und die Reiselogistik und betreut die Gruppen vor Ort. Zentrale Voraussetzung für ein modulares Programm wie die HM Akademie St. Gallen ist natürlich außerdem, dass die Kolleginnen und Kollegen auch tatsächlich teilnehmen. Wir haben daher einen klaren Beschluss gefasst, dass die Teilnahme an der HM Akademie St. Gallen jeder Mandatsarbeit vorgeht. Es waren tolle Jahre mit der HM Akademie St. Gallen – und es bleibt immer spannend!