Viola Sailer-Coceani über Beruf und Familie

Dr. Viola Sailer-Coceani ist seit 2008 Partnerin und betreut im Münchener Büro deutsche und ausländische Mandanten in gesellschaftsrechtlichen Fragen und im Bereich Dispute Resolution. Sie ist verheiratet und Mutter einer kleinen Tochter.

Seit Sie Mutter sind, arbeiten Sie in Teilzeit. Ist das als Partnerin überhaupt möglich?

Viola Sailer-Coceani: Klare Antwort: ja! Natürlich sind wir als Wirtschaftsanwälte Dienstleister. Für mich bedeutet Teilzeit daher nicht, dass ich ab einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr erreichbar bin. Meine Mandate muss ich auch voll betreuen. Die Teilzeitregelung ermöglicht es mir aber, mich auf bestimmte Mandate zu konzentrieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass – entgegen landläufigen Vorurteilen gegenüber Großkanzleien – die anwaltliche Tätigkeit sogar in besonderem Maße teilzeitfreundlich ist. Denn unsere Arbeit teilt sich in viele einzelne Mandate auf, deren Anzahl man steuern kann. Gleichzeitig sind wir, natürlich in gewissen Grenzen, außerordentlich frei in der Gestaltung, wann und von welchem Ort aus wir arbeiten. In Unternehmen ist das, jedenfalls ab einer bestimmten Hierarchiestufe, mitunter weit schwieriger – eine Abteilungsleitung ist eben nicht so leicht teilbar wie ein Mandatsportfolio.

Wie flexibel ist Hengeler Mueller?

Die Flexibilität ist sehr groß. Wir bieten Teilzeitlösungen auf allen Karrierestufen an, für Associates, Counsel und Partner. Diese Modelle werden auch auf allen Ebenen intensiv genutzt (übrigens auch von Männern). Wichtig finde ich persönlich, dass wir kein "one fits all"-Modell haben, sondern flexibel auf die individuelle Situation eingehen. Wir haben Kolleginnen und Kollegen, die jeden Tag früher gehen oder die weniger Tage pro Woche arbeiten. Andere arbeiten in projektbezogener Teilzeit, also während eines Projektes mehr oder weniger voll und anschließend eine Zeitlang gar nicht. Für mich persönlich habe ich festgestellt, dass ich weder längere Abwesenheitszeiten aus dem Büro brauche noch am frühen Nachmittag gehen möchte. Für mich ist es aber wichtig, dass ich in der Regel morgens und abends in den Kinderalltag eingebunden bin. Natürlich kann das bedeuten, dass ich mich später am Abend noch einmal an den Computer setzen muss. Das kann ich aber in der Regel im Home Office tun. Unsere Technik ermöglicht es, dass man von zu Hause aus so gut arbeiten kann, als säße man im Büro.

Haben Sie Tipps, die Sie an junge Kolleginnen und Kollegen weitergeben können?

Ich möchte vor allem Mut machen. Familie und Beruf sind vereinbar. Natürlich sind wir alle mit dem gleichen Ausgangsproblem konfrontiert: der langen Juristenausbildung, die dazu führt, dass wir beim Berufseinstieg bereits um die 30 Jahre alt sind, sowie den Anforderungen, die unsere Mandanten berechtigterweise an uns stellen. Aber es ist möglich, die Potentiale einer langen Ausbildung auszuschöpfen, ohne dafür private Lebenswünsche zu opfern. Damit möchte ich gar nicht sagen, dass immer alles einfach ist – berufstätige Eltern haben zwei Jobs, wo andere nur einen haben. Wahrscheinlich würde sich jeder berufstätige Elternteil wünschen, sowohl für den Beruf als auch für Kinder mehr Zeit zu haben. Aber dafür bekommt man eben auch beides: einen tollen, jeden Tag von neuem spannenden Beruf und eine Familie.