Workshop Wirtschaft

Anna Pieronczyk promoviert aktuell an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Im November 2015 nahm sie an einem Workshop von Hengeler Mueller in Düsseldorf teil.

Am 13. und 14. November 2015 hatte ich die Gelegenheit, beim „Workshop im Dreieck: Recht, Accounting, Business Plan“ im Düsseldorfer Büro anhand einer Fallstudie einen Einblick in Gesellschaftsrecht und Bilanzierung zu erhalten. Ich war ein wenig nervös, da sich meine Vorkenntnisse in diesem Bereich gen Null bewegen und ich mir nicht sicher war, ob ich fachlich alles verstehen würde. In meiner Dissertation beschäftige ich mich mit Strafprozessrecht - nicht grade eine „Kernmaterie“ der kommenden zwei Tage. Gleichzeitig freute ich mich aber auch auf die neuen Eindrücke.

Der Empfang bei Kaffee, Tee und kleinen Snacks bot gleich zu Beginn die Gelegenheit, die anderen Teilnehmer in lockerer Atmosphäre kennen zu lernen. Das Teilnehmerfeld war recht gemischt, obwohl viele einschlägige Vorkenntnisse hatten, waren auch einige dabei, die - wie ich - aus anderen Fachrichtungen kamen.

Am späten Vormittag ging es dann mit einer Einführung in das Gesellschaftsrecht los. Die beiden Vortragenden waren Anwälte des Düsseldorfer Büros, die uns mit viel Freude an der Materie „an die Hand nahmen“, uns ausgewählte Probleme erläuterten und uns letztlich das rechtliche „Handwerkszeug“ für die Fallstudien an die Hand gaben. 

Genauso hervorragend war auch der zweite Vortrag des Tages – die Einführung in die Bilanzierung –, der von einem Professor der Universität St. Gallen gehalten wurde (mit dieser Hochschule besteht eine Kooperation mit der Kanzlei, wie wir noch erfahren haben). Dank des begeisterten Dozenten waren wir alle am Ende ganz gefesselt von Aktiva, Passiva, Geschäftsvorfällen und Buchungssätzen und haben eifrig mitgerechnet.

Danach gab es eine kurze Einführung in die Case Study, anhand derer wir unsere neu gewonnenen Erkenntnisse erproben sollten. Vereinfacht gesagt ging es um den Verkauf von Vermögensgegenständen, mit dem innerhalb eines Konzerns liquide Mittel für die Aufnahme eines neuen Geschäftsmodells generiert werden sollten. Ein (fiktiver) Unternehmenspatriarch hatte die Geschäftsidee, sein bisher auf Supermärkte konzentriertes Geschäft in den Bereich von sogenannten Foodtrucks zu erweitern. Dazu brauchte er Geld. Unsere Aufgabe war dann, durch Analyse der Unternehmensstrategie, der Bilanzen und gesellschaftlichen Rahmensetzung herauszufinden, ob diese Idee des Patriarchen insbesondere unter Berücksichtigung der §§ 30 und 64 GmbHG zulässig wäre.

Diesen Fall haben wir am späten Nachmittag und am nächsten Tag in kleinen Gruppen bearbeitet, und schließlich in großer Runde unsere Ergebnisse besprochen. Am Ende wurde uns zudem erläutert, wie man „im echten Leben“ die Probleme des Falles praxisgerecht und kreativ hätte lösen können.

Ich kann nur sagen, dass ich in diesen zwei Tagen nicht nur sehr viel gelernt habe, sondern viel Spaß dabei hatte. Das lag nicht zuletzt auch an den hervorragenden Materialien: Besonders gut war, dass wir für unsere Gruppenarbeit eine Handreichung bekamen, mit der wir anhand von verschiedenen aufeinander aufbauenden Fragen und Aufgaben der Lösung Schritt für Schritt näher kamen. Dadurch wurden die Gruppenarbeiten nicht nur effektiver, sondern wir hatten am Ende alle das Gefühl, den Lösungsweg verstanden zu haben. Denn auch diejenigen, die schon  mehr Vorkenntnisse hatten, haben mir versichert, dass der Fall durchaus anspruchsvoll war.

Besonders wichtig neben dem Fachlichen ist bei Workshops natürlich auch immer das „Rundherum“. Für uns Teilnehmer war für alles gesorgt, von Mahlzeiten in jeder Pause über bereitstehende Taxis für den Transfer zum Hotel bis hin zu der Unterbringung in einem schönen Hotel direkt in der Düsseldorfer Innenstadt. Außerdem wurde uns in einer Gesprächsrunde die Möglichkeit gegeben, ganz offen alle Fragen zu stellen, die wir zur Kanzlei hatten. Dabei haben uns sowohl Anwälte als auch das HR-Team Rede und Antwort gestanden und sich bemüht, ausführlich auf jede Frage einzugehen.

Mein persönliches Highlight war das gemeinsame Abendessen in dem Restaurant „Fehrenbach“. Das Essen dort ist erstklassig (wir hatten uns im Vorfeld Gerichte aussuchen können) und das Restaurant so klein, dass wir „unter uns“ waren. Dadurch hatten wir Gelegenheit, uns nicht nur untereinander, sondern auch einige Anwälte der Kanzlei besser kennen zu lernen und uns einfach mal in entspannter und gelöster Atmosphäre zu unterhalten.

Am Samstagnachmittag bin ich dann zwar etwas müde, aber mit einem großen Bündel neuer Erfahrungen und den Adressen vieler netter Menschen wieder nach Hause gefahren. Ich kann diesen Workshop jedem ans Herz legen, der Lust hat, sich im Bereich Wirtschaft und Bilanzen erstmals (oder weiter-) zu bilden, dabei mit vielen motivierten, aufgeschlossenen Juristen zusammenzuarbeiten und ganz nebenbei noch etwas über die Tätigkeit in einer Wirtschaftskanzlei im Allgemeinen und bei Hengeler Mueller im Speziellen zu erfahren! Anna Pieronczyk