Ein spannender Mix aus Jura und Start-up

Tianyuan Zhuang ist seit 2012 bei Hengeler Mueller, seit 2015 als Associate in unserem Düsseldorfer Büro tätig. Sie ist in Shanghai geboren und in Deutschland aufgewachsen. 2016/2017 verbrachte sie ein Secondment im Büro von Hengeler Mueller in Shanghai.

„Ungewöhnlicher Schritt: Hengeler Mueller startet in China“ – titelte damals die Presse die Entscheidung, ein Büro in Shanghai zu eröffnen. Ich absolvierte gerade meine Verwaltungsstation beim deutschen Generalkonsulat in Los Angeles, als mich die Nachricht erreichte, und zugleich das Angebot, meine Wahlstage in dem neuen Büro von Hengeler Mueller in meiner Geburtsstadt zu absolvieren.

Nachdem ich bereits als wissenschaftliche Mitarbeiterin nach dem Studium und dann als Referendarin im Rahmen der Anwaltsstation Einblick in das seit Jahrzehnten etablierte Düsseldorfer Büro von Hengeler Mueller genommen habe, freute ich mich darauf, beim Start eines ganz neuen Büros dabei zu sein. Somit verbrachte ich Ende 2014 meine Wahlstage in dem frisch eröffneten Shanghaier Büro von Hengeler Mueller. Zwei Jahre später kehrte ich hierhin zurück, diesmal für ein mehrmonatiges Secondment als Associate.

Im Herzen von Shanghai

Das Büro liegt im 32. Stockwerk des Wheelock Squares, dem höchsten Bürohochhaus im Jing An District auf der westlichen Seite des Huangpu Flusses. Man blickt aus dem Büro auf die Nanjing Xi Road, die alte Prachtstraße von Shanghai. Direkt gegenüber von Büro liegt der große, historische Jing An Tempel. In unmittelbarer Nähe des Büros beginnt die „French Concession”, ein trendy Ausgehbezirk von Shanghai mit neuen Bars und Restaurants – where East meets West. 

Arbeit auf multikulturellem Terrain – Vom Pitch bis zum erfolgreichen Abschluss

Die anwaltliche Arbeit in Shanghai ist international und vielseitig. Das bislang noch relativ überschaubare Team aus vier bis sechs Kollegen wird von den zwei Resident Partnern Changfeng Tu und Christian Möller geleitet. Neben dem „Stammteam” verbringen auf rotierender Basis ein deutscher Associate ein Secondment und ein Referendar oder wissenschaftlicher Mitarbeiter jeweils Stationen in Shanghai.

Ein Fokus der Tätigkeit liegt in der Beratung von chinesischen Investoren bei M&A Projekten in Deutschland und Europa. Bei der Durchführung der Transaktion nimmt das Shanghaier Büro eine zentrale Schnittstellenfunktion wahr. In Shanghai koordiniert man fachübergreifend die Arbeit der integrierten Teams aus den deutschen Standorten und führt die Ergebnisse zusammen. Hier ist die Kooperation zwischen den Best Friends, unserem Netzwerk befreundeter Kanzleien, besonders eng ausgeprägt. Wir teilen uns die Büroräume in Shanghai mit unserem niederländischen Best Friend De Brauw Blackstone Westbroek. Unser fachliches Wissen teilen wir im Rahmen von wöchentlich stattfindenden Training Sessions, in denen sich die Best Friends in Shanghai, Peking und Hong Kong per Videokonferenzschaltung über die neuesten Entwicklungen bei den rechtlichen Rahmenbedingungen von ausländischen Investitionen in China („Inbound”) und Transaktionen chinesischer Unternehmen in Europa („Outbound”) austauschen. Zudem gehen wir regelmäßig mit den Kollegen von De Brauw mittagessen und feiern Chinese New Year in Form eines gemeinsamen Dinners.

Auch im Rahmen der Inbound-Beratung, wenn deutsche oder europäische Unternehmen in China investieren, vor allem in Form von Joint Ventures, fungiert das Shanghaier Büro als Bindeglied zwischen den Mandanten in Deutschland und den Kanzleien in China. Denn ausländische Kanzleien dürfen in China nicht in rein chinesischen Sachverhalten beraten. Verhandlungen mit chinesischen Counterparts gelten als zäh. Legendär ist die Gewohnheit, auf bereits abgeschlossene Punkte wieder zurückzukommen und neu zu verhandeln. Daher ist viel interkulturelles Einfühlungsvermögen gefragt. Der Anwalt wirkt noch mehr als bei Transaktionen in Deutschland als ein Vermittler zwischen beiden Seiten.

In Shanghai wird man auch stark in das Business Development eingebunden: von der Vorbereitung eines Pitches, über die Organisation von Mandantenseminaren bis hin zur Teilnahme an Kammertreffen und Veranstaltungen. Eine Kollegin hatte z.B. die Gelegenheit, auf Einladung der größten chinesischen Bank ICBC zum Delegationsbesuch von Kanzlerin Merkel mit nach Anhui zu reisen.

Keine Scheu vor der Sprach(losigkeit) 

Nun, als gebürtige Shanghaierin lässt sich das zwar leicht sagen, aber heutzutage kann man in Shanghai wirklich ohne Chinesisch-Kenntnisse sehr gut auskommen – sowohl bei der Arbeit als auch im Alltag. Den chinesischen Mandanten stehen anders als vor ein paar Jahren bei grenzüberschreitenden Transaktionen international erfahrene Berater zur Seite, sodass die Kommunikation in dieser Hinsicht kein Hindernis darstellen sollte. Viele deutsche Kollegen, die hier eine Stage verbringen, versuchen auch, durch die Teilnahme an einem Sprachkurs ihre Grundkenntnisse zu verfestigen. Die deutsche Expat Community ist eine der größten in Shanghai, sodass man sich trotz der Ferne auch hier gut beheimatet fühlt.

Hengeler Spirit und Start-up Atmosphäre

Der typische Hengeler Mueller-Spirit – Kollegialität, flache Hierarchien, jeder packt an – hilft in Shanghai besonders. Manchmal ist Improvisation gefragt, z.B. für technischen Support, wenn die IT Kollegen in Deutschland aufgrund der Zeitverschiebung nicht verfügbar sind, oder auch, wenn man in Abwesenheit der Office Managerin am Empfang bestimmte Telefonanfragen beantworten muss. Da ist es toll, sich aufeinander verlassen zu können. Es ist ein spannender Mix aus Jura und Start-up. Tianyuan Zhuang