Kein Lückenfüller

Wiebke Lemmer promoviert nach Abschluss ihres Referendariats an der Universität Regensburg bei Prof. Dr. Thorsten Kingreen. Hier berichtet sie über ihre Erfahrung als wissenschaftliche Mitarbeiterin in unserem Berliner Büro.

Es gibt viele Gründe, als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Großkanzlei zu arbeiten. Ob man die Zeit zwischen den verschiedenen Abschnitten der juristischen Ausbildung überbrückt, ob man zur Finanzierung der Promotion oder des LL.M.-Studiums arbeitet oder ob man eine Kanzlei einfach mal kennenlernt – es handelt sich immer um eine Zwischenstation. Bei Hengeler Mueller sind alle darauf eingestellt, diese Zeit effektiv und sinnvoll zu nutzen, damit die wissenschaftliche Mitarbeit eine wertvolle Erfahrung und nicht nur ein Lückenfüller im Lebenslauf ist.

Ich arbeite zurzeit promotionsbegleitend an zwei Tagen pro Woche als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Berliner Büro. Dies ist bereits das vierte Mal, dass ich hier tätig bin. Nachdem ich während des Sommerpraktikums einen ersten Einblick erhielt, habe ich jeweils mehrere Monate vor und nach meinem LL.M.-Studium an der NYU genutzt, um hier als wissenschaftliche Mitarbeiterin Erfahrungen zu sammeln. Jedes Mal bin ich gerne wiedergekommen, da es mir hier gut gefällt. Ausschlaggebend war und ist für mich die aktiv gelebte Kultur bei Hengeler Mueller, die darauf ausgerichtet ist, alle effektiv einzubinden und gleichzeitig auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen.

Bereits die Organisation der Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter sorgt hier für eine effektive Integration in die Arbeitsabläufe. Ich bin direkt einem Partner zugeordnet und werde zusätzlich durch einen Associate als Tutor betreut, der auch über die juristischen Fragen hinaus mein Ansprechpartner ist. Mit ihnen stimme ich meine gesamte Tätigkeit inhaltlich wie auch zeitlich ab. So haben sie einen Überblick über meine Aufgaben und Anwesenheit, damit ich sinnvoll eingebunden werden kann. Hauptsächlich unterstütze ich die laufende Mandatsarbeit im Öffentlichen Wirtschaftsrecht, wobei bewusst darauf geachtet wird, mir jeweils den Kontext des Mandats zu erläutern, mir Feedback zu meiner Arbeit zu geben und mich über weitere Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten. So bin ich trotz meiner Nebentätigkeit mittendrin statt nur dabei. Und sollte einmal nicht alles reibungslos ablaufen, zum Beispiel bei sich überschneidenden Projekten, konnte ich dies bislang immer offen ansprechen. Dies wird zusätzlich durch interne Strukturen unterstützt, die jedem die Gelegenheit bieten, Verbesserungsmöglichkeiten vorzuschlagen.

Auf Grund meiner bisherigen Kenntnisse und Interessen bin ich insbesondere im Vergaberecht und auf meinen Wunsch hin auch im Gesundheitsrecht, in welchem ich promoviere, tätig. So habe ich beispielsweise neulich im Rahmen eines Gutachtens für einen langjährigen Mandaten die Auswirkungen der aktuellen Vergaberechtsreform auf das Gesundheitswesen untersucht. Auch im Öffentlichen Recht kommt das „Mainstream“-Geschäft von Hengeler Mueller nicht zu kurz, sodass ich auch bereits im Rahmen der einen oder anderen Due Diligence für eine Transaktion die bau-, umwelt- und sozialrechtlichen Aspekte aufgearbeitet habe. Und zuletzt habe ich bei einer Nichtigkeitsklage eines Mitgliedstaates vor dem Gericht der Europäischen Union mitgewirkt und eigenständig die Berufungsbegründung in einem sozialrechtlichen Verfahren verfasst. Hierbei konnte ich meine Kenntnisse aus dem Referendariat sowie mehrjährige Moot-Court-Erfahrung endlich praktisch anwenden. Die Aufgaben sind anspruchsvoll und abwechslungsreich, so dass ich stetig dazulerne.

All dies findet in einer sehr kollegialen und offenen Atmosphäre statt, die auch über die Mandatsarbeit hinaus gepflegt wird. So kommen die Anwälte regelmäßig zum Berliner Erfahrungsaustausch zusammen, um aktuelle Aspekte der Mandatsarbeit zu präsentieren und zu diskutieren. Speziell für den Bereich des Öffentlichen Wirtschaftsrechts gibt es außerdem den Öffentlich-rechtlichen Erfahrungsaustausch, der per Videokonferenz gemeinsam mit dem Team aus dem Düsseldorfer Büro stattfindet. In anderen Bereichen finden ähnliche Veranstaltungen statt, wie z.B. das Corporate Breakfast oder der Medien Lunch, die einen regen informellen Austausch fördern. Außerdem gehen wir häufig zusammen Mittagessen und haben Gelegenheit, uns auch außerhalb der Kanzlei privat kennenzulernen und Freundschaften zu knüpfen, zum Beispiel im Rahmen von Referendarabenden beim Beach Volleyball, einem Besuch der Berliner Unterwelten oder einer Galerieführung.

Ich empfinde meine Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin zudem als eine bereichernde Abwechslung, die mir die Möglichkeit bietet, sowohl weitere Erfahrungen als Juristin zu sammeln als auch meine Promotion voranzutreiben. Da man hier unglaublich viel mitbekommt, stoße ich auch immer wieder auf Ideen, die für meine Dissertation nützlich sind – wie zum Beispiel neue rechtliche Entwicklungen. Auch erkundigen sich Kollegen oftmals nach dem Fortschritt meiner Arbeit und haben hilfreiche Tipps – sei es in fachlicher oder persönlicher Hinsicht. Es sind immer zwei Tage in der Woche, in denen ich aus meiner Promotion auftauche, die Perspektive wechsele und mit frischem Input weitermache. Wiebke Lemmer