Mandatsarbeit im Tandem

Katrin von Mielecki studierte Rechtswissenschaften in Freiburg und Berlin und absolvierte im Rahmen des Referendariats ihre Anwaltsstation in unserem Berliner Büro. Ihre Tutorin war Dr. Karolin Hiller, die seit 2011 bei uns als Anwältin arbeitet. Als Senior Associate berät sie Unternehmen und Körperschaften zu allen öffentlich-rechtlichen und regulatorischen Fragen und begleitet ihre Mandanten zudem in behördlichen Verfahren und Rechtsstreitigkeiten. Sie hat sich auf den Bereich Gesundheit/Life Science spezialisiert. Hier ziehen beide ein Fazit über ihre Zusammenarbeit.

Katrin, welche Erwartungen hattest Du an Deine Anwaltsstation bei uns?

Mielecki: Ich hatte keine konkreten Vorstellungen. Ich hatte zuvor noch nie bei einem Anwalt gearbeitet, außer einmal während der Schulzeit. Ich hatte also keine Erfahrungen mit einer Tätigkeit in einer Großkanzlei, habe mich aber beworben, um zu sehen, ob dieser Arbeitsbereich für mich in Frage kommt. Ich hatte weder ein besonders negatives noch ein besonders positives Bild. Ein Referendariat bietet eine gute Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln. Deshalb war ich relativ offen und unvoreingenommen. Meine Herangehensweise war, alles auf mich zukommen zu lassen.

Hiller: Das hat man auch gemerkt! Katrins Haltung: ich schaue mir das selbst an, bevor ich mir eine Meinung bilde, mal schauen, was kommt, an allem interessiert. Das ist ein sehr guter Einstieg.

Mielecki: Der Einstieg war insgesamt sehr gut organisiert, z.B. mit der Begrüßungsrunde durch die ganze Kanzlei. Leider hatte ich am ersten Tag das Pech, dass Du, Karolin, im Urlaub warst. Ich bekam einen Ersatz-Tutor für die Zeit Deiner Abwesenheit, der sich prima um mich gekümmert hat. Tauchten Fragen auf, konnte ich oft auch Auskunft von anderen Referendaren bekommen – man hilft sich gegenseitig. Nach Deinem Urlaub haben wir uns dann sofort getroffen – kaum, dass Du im Büro warst. Der Empfang durch Dich war dann sehr herzlich. Mir war klar, dass ich mit allen Problemen zu Dir kommen kann, also vor allem auch dann, wenn irgendetwas nicht so gut läuft.

Und wie war das für Dich, Karolin? Katrin war ja nicht Deine erste Referendarin.

Hiller: Die Referendare sind hier, um zu erleben, wie wir arbeiten. Inzwischen habe ich eine gewisse Routine in meiner Rolle als Tutorin und in der Zusammenarbeit und Ausbildung von Referendaren. Aber Referendar ist nicht gleich Referendar. Jedes Mal treffen zwei unterschiedliche Menschen aufeinander. Und dann hängt es auch ganz maßgeblich davon ab, was der Referendar oder die Referendarin daraus macht. Kommt er oder sie mit Fragen direkt auf mich zu, oder muss ich eher mal nachfragen? Das ist immer wieder eine neue Herausforderung für mich und jeden Associate, der Tutor für Referendare oder wissenschaftliche Mitarbeiter ist.

Mielecki: Anfangs hatte ich eine gewisse Hemmschwelle, Fragen zu stellen. Das legt sich aber schnell.

Hiller:  Klar, wir mussten uns aneinander gewöhnen. Nach zwei Wochen hatte sich unsere Zusammenarbeit eingespielt. Wir arbeiteten an vielen verschiedenen Projekten – querbeet alles, was auf meinem Schreibtisch lag. Dadurch bekam Katrin einen guten Einblick. Manche Projekte erstrecken sich über Wochen, andere sind schnell abgearbeitet. Das hängt von der Situation bzw. vom Mandanten ab.

Mielecki: Die Anfangszeit als Referendarin war sehr aufregend. In vielen Bereichen war ich unsicher. Schließlich ändert sich diese Haltung und man sagt sich, was soll’s. Bevor ich mir hier noch eine halbe Stunde den Kopf zerbreche, frag ich kurz nach.

Hiller:  Ich glaube, diese Offenheit hat unser Verhältnis geprägt. Ein Referendar hat das 1. Staatsexamen hinter sich und kann und sollte sich einbringen. Eigene Gedanken sind erwünscht, ebenso ein offenes Gespräch, auch mal zu sagen, das sehe ich anders. In einer Diskussion überzeugt das bessere Argument. Bei Recherchen ging Katrin wirklich ins Detail – Beispiel Pflegereform – und das war sehr hilfreich. Es ist nicht immer nur zuarbeiten, sondern mehr zusammenarbeiten.

Katrin, Du hattest Dich schon vor Deiner Stage mit Gesundheitsrecht, in dem auch Karolin viel tätig ist, beschäftigt. Könnt Ihr dazu noch ein bisschen mehr erzählen – über das Gesundheitsrecht als gemeinsamen Nenner ...

Hiller: Ich bin gern in diesem Bereich tätig, weil er so vielfältig ist. Die Themen reichen vom Apothekenrecht über das Vertragsarztrecht bis hin zu den für Pflegeeinrichtungen geltenden rechtlichen Bestimmungen. Wir erstellen Notizen und andere beratende Dokumente, führen Rechtsstreitigkeiten und arbeiten bei Unternehmenskäufen und -verkäufen im sozialrechtlichen Bereich. Die Vielfältigkeit macht die Arbeit interessant, das muss einem auch liegen. Man macht sehr selten etwas doppelt, sondern muss eigentlich immer wieder bei A anfangen.

Mielecki: Das ist gerade das Gute daran: dass ich diese Bandbreite sehen und dadurch viel Erfahrung sammeln konnte.

Karolin, wie bindest Du Katrin konkret in die Mandate ein?

Hiller: Das hängt von der konkreten Fragestellung und dem Kontext ab. Jede Arbeit beginnt mit einer rechtlichen Recherche - eine von Katrins Aufgaben. Meine Aufgabe ist, ihr zu erläutern, in welcher Form die Ergebnisse zu Papier gebracht werden, zum Beispiel nur als E-Mail oder als Notiz. Oder ob wir die rechtliche Recherche für eine Klage oder Klageerwiderung brauchen. Oder ich bitte Katrin, eine Klage zu entwerfen. Wenn wir von Beginn an gemeinsam an einem Produkt arbeiten, teilen wir uns die Aufgaben.

Was macht aus Eurer Sicht eine gute Feedback-Kultur aus?

Mielecki:  Feedback ist sehr individuell. Wie man Feedback gibt, wie man Feedback empfängt und wie man damit umgeht. Karolin hat eine sehr gute Art, Feedback rüberzubringen. Für sämtliche Arbeiten bekomme ich Feedback. Nie ist es so, dass ich völlig verunsichert aus dem Gespräch herausgehe. Ich habe es bislang stets als konstruktiv empfunden.

Hiller: Konstruktives Feedback zu geben ist nicht immer ganz einfach. Aber wenn es nicht konstruktiv ist, bringt es nichts. Ohne Feedback kann man sich nicht weiterentwickeln. Mal angenommen, das Produkt eines Referendars ist nicht optimal. Dann liegt es an mir als Tutorin zu sagen, was gut war und was wir noch verbessern müssen. Ich frage mich dann aber auch: Was war die Ursache? Habe ich nicht ausführlich genug erklärt? Liegt ein Denkfehler vor? Warum findet der Referendar bei dieser Recherche nicht die richtige Norm? Das ist, glaube ich, etwas, was wir durch Erfahrung lernen.

Was ist das Besondere an der Ausbildung on the job?

Mielecki: Ich finde, das Besondere daran ist, dass ich einerseits relativ selbstständig arbeite, aber andererseits weiß, dass jemand da ist, der mich begleitet, falls nötig ermuntert und bei Problemen weiterhilft. Das ist eine komfortable Situation, dass man mitmischt, aber nicht völlig allein ins kalte Wasser geworfen wird.

Hiller: Es ist sehr wichtig, dass der Referendar sein Referendariat selbst mitgestaltet. Ich glaube, dass vielen nicht bewusst ist, wie sehr sie das eigentlich beeinflussen können. Und ich habe die Erfahrung gemacht: Je mehr jemand seine Stage selbst gestaltet, umso besser ist die Zusammenarbeit.

Gab es eine gemeinsame Situation, die für Euch besonders herausfordernd war?

Mielecki: Wir haben an einer großen und dringenden Sache gearbeitet, und abends war noch die Weihnachtsfeier des Berliner Büros. Es war fraglich, ob wir das schaffen. Aber wir haben dann noch enger zusammengearbeitet, das Tempo ein bisschen hochgefahren, und dann haben wir das Produkt zusammen rausgeschickt und es auch noch pünktlich zur Weihnachtsfeier geschafft.

Hiller: So macht Zusammenarbeit richtig Spaß. Man hat ein gemeinsames Produkt angefangen, bringt es gemeinsam zu Ende und zieht am selben Strang. Da ist die Zusammenarbeit wie unter den Associates – es gibt da keinen Unterschied. Letztlich ist ein Referendar ein künftiger Kollege, jedenfalls möglicherweise. Und das ist, glaube ich, Sinn der Ausbildung des Referendariats.