Short Term Secondment bei Slaughter and May

Dr. Lisa Kopp ist Anwältin im Münchener Büro von Hengeler Mueller. Vor ihrem Berufseinstieg hat sie im Rahmen ihres Referendariats ein Short Term Secondment bei unserer englischen Best Friends Kanzlei Slaughter and May in London absolviert.  

Im Mai 2015 hatten acht Kolleginnen und Kollegen aller deutschen Standorte von Hengeler Mueller die Möglichkeit, an einem dreiwöchigen Short Term Secondment-Programm im Londoner Büro unserer englischen Best Friends Slaughter and May teilzunehmen. Bereits im Vorfeld hatten wir Teilnehmer Kontakt zueinander und planten den ersten gemeinsamen Abend – mit Treffpunkt stilecht am Big Ben (wo auch sonst).  

Work …

Der erste Arbeitstag war natürlich für uns alle spannend; eine wirkliche Vorstellung davon, was uns erwarten würde, hatte keiner von uns. Schon das Bürogebäude inmitten der Hochhäuser der City, das mehr als 1.000 Mitarbeiter beherbergt, war beeindruckend. Aber auch wenn wir am Anfang noch etwas Orientierungsprobleme hatten, haben wir uns alle, auch dank des herzlichen Empfangs durch das Slaughter and May Team, doch recht schnell eingewöhnt. Insbesondere den Weg zur Kaffeemaschine haben wir nach ein paar Anlaufschwierigkeiten sehr bald gefunden.

Anders als in den deutschen Hengeler Mueller-Büros teilen sich die Kollegen bei Slaughter and May ihre Zimmer – selbst Partner bekommen kein Einzelbüro, sondern haben einen Trainee bei sich im Büro sitzen. Wir teilten unsere Arbeitszimmer mit den Associates, die auch für unsere Betreuung und Versorgung mit Arbeit zuständig waren.

Aufgeteilt auf die verschiedenen Praxisgruppen von Slaughter and May haben wir einen guten Einblick in die vielfältigen Tätigkeiten der Kanzlei gewonnen. Unsere Aufgaben erstreckten sich von der Unterstützung bei einer Due Diligence (insbesondere unsere Fremdsprachenkenntnisse waren hier sehr gefragt) über Vertragsgestaltung und das Entwerfen einzelner Vertragsklauseln bis hin zur Mitarbeit an komplexeren Dokumenten. Fragen zum deutschen Recht schlugen natürlich auch immer wieder bei uns auf. Langweilig wurde uns dadurch nie!

Zusätzlich zur praktischen Arbeit hatte Slaughter and May für uns ein bunt gemischtes Programm aus Trainings zusammengestellt. Associates und Partner von Slaughter and May brachten uns Eigenheiten des englischen Rechts näher – vor allem bei der Frage nach Grundeigentum wurde die Diskussion sehr lebhaft (und irgendwie haben wir am Ende dann alle doch verstanden, wie das mit dem Leasehold und dem Freehold funktioniert, glauben wir zumindest). Auch im Bereich der Soft Skills wurden uns Workshops angeboten, zum Beispiel zu den Themen Präsentieren oder English Legal Writing. Natürlich wurde jeder Workshop und jedes Training mit einer klassisch englischen Teepause mit hervorragendem Gebäck, Kaffee und Tee aufgelockert.

Über die Trainings hinaus wurde uns ein vielfältiges Rahmenprogramm geboten: Vor allem der Besuch einer strafrechtlichen Verhandlung in den Courts of Justice war für uns alle sehr spannend, zumal dort sichtbar wurde, wie sehr sich das englische System doch vom deutschen unterscheidet. Und das lag nicht nur an den Perücken, die in England ganz selbstverständlich vor Gericht noch getragen werden – auch der Mordfall, der verhandelt wurde, hatte es in sich. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch bei den Barristers vom One Essex Court.

… and life

Das Büro von Slaughter and May liegt sehr zentral in der City und bietet in der unmittelbaren Umgebung zahlreiche Möglichkeiten, den Tag ausklingen zu lassen. Die Abende haben wir dementsprechend genutzt, um die nähere und weitere Nachbarschaft des Büros auf ihre Ausgehtauglichkeit zu testen und neue Lieblingslokale zu finden. Auch Zeit für Sport – Joggen entlang der Themse oder im Hyde Park wurde schnell eine neue Lieblingsbeschäftigung – und klassisches Sightseeing ist geblieben, und an den Wochenenden unternahmen wir Ausflüge nach Camden, nach Greenwich und in die Kent Gardens. Unter den vielfältigen Angeboten in London hat jede(r) etwas für sie/ihn Passendes gefunden, ob nun in Gemäldegalerien, im Theater oder doch eher im Pub.

Auch das Londoner Büro von Hengeler Mueller spielte bei der Freizeitgestaltung eine Rolle. Die Hengeler Muellers in London organisierten für uns ein Begrüßungsessen nebst Büroführung mit grandiosem Ausblick auf die St Paul's Cathedral und ein Abschiedsessen mit anschließender Pubtour. Und natürlich durfte auch der Fußball nicht zu kurz kommen: Gemeinsames Fußballschauen im überfüllten Pub war fester Bestandteil des Programms.

Fazit

Neben dem Einblick in die Kultur von Slaughter and May und das britische Rechtssystem und dem wunderbaren Erlebnis, als Referendargruppe zusammenzuwachsen und miteinander den unbekannten Alltag einer englischen Großkanzlei zu meistern, konnten wir sehr erlebnisreiche Wochen genießen, die ein Highlight unseres Referendariats bei Hengeler Mueller darstellten. Lisa Kopp