Praktikumsbericht von Veronika Wimmer
Mein Sommerpraktikum bei Hengeler Mueller in München war insbesondere von einem sehr zu lobenden Praktikantenprogramm geprägt sowie von extrem freundlicher und persönlicher Betreuung. So wurden wir vier „Sommerpraktikanten“ jeweils von zwei Tutoren (in der Regel Associates) sowie von der sympathischen Rechtsanwältin Dr. Anna Roberta Schwander betreut und uns wurde ferner ein umfangreiches Programm geboten, welches sich neben der Juristerei auch auf Freizeitaktivitäten (gemeinsamer Businesslunch/- dinner, Besuch des neuen Brandhorstmuseums in München) mit der gesamten Kanzlei bezog. Insbesondere hervorzuheben ist der hohe Lerneffekt, welchen ich während dieses Praktikums genießen durfte und dieser Aspekt ist im Vergleich zu meinen bisherigen Praktika besonders hervorzuheben. So wurden wir Praktikanten zu Beginn unseres Praktikums mit einer Fallstudie betraut, die es uns ermöglichte, einen Unternehmenskauf „von Anfang bis Ende“ (beginnend mit Prüfung eines „Teasers“/ eines anonymisierten Kurzprofils des potentiell zu kaufenden Unternehmens und eines vertraulichen Informationsmemorandums des Verkäufers, sich daran anschließend die Durchführung eine Due Diligence sowie schließlich die Erstellung eines vollständigen Kaufvertrags inklusive einer Unternehmensbewertung) durchzuführen. Diese Fallstudie begleitete uns während der gesamte Praktikumszeit und wir widmeten uns dieser gemeinsam, sobald wir keine aktuellen Aufgaben unserer Tutoren zugewiesen bekamen. Des Weiteren ist positiv zu bemerken, dass wir uns stets, sobald Fragen aufkamen, an die uns betreuenden Anwälte wenden durften, die immer eine „offen stehende Bürotür“ sowie ein „offenes Ohr“ für uns hatten- und dies trotz der extrem hohen Arbeitsbelastung. Ferner wurde das Projekt durch weitere Vorträge durch die Anwälte der Sozietät begleitet, die uns die Thematik des Mergers&Acquisition näher brachten. Indem zudem vortragsbegleitend Handouts ausgeteilt wurden und wir stets Fragen stellen konnten, war der Lerneffekt hoch, hat meine Freude am und Kenntnisse im Gesellschaftsrecht vertieft und mir darüber hinaus die Entscheidung für die kommende Schwerpunktsstudienwahl erleichtert. Gerade in dieser Hinsicht kann ich bereits an dieser Stelle sagen, dass die Zeit bei Hengeler Mueller somit ein wenig meinen weiteren juristischen Werdegang beeinflusst hat und die Kanzlei aufgrund dessen und ob all der bereits erwähnten positiven Aspekte einen hohen Stellenwert bei mir einnimmt! In Hinblick auf meine weitere Tätigkeit ist zu berichten, dass ich neben diesem Planspiel natürlich auch aktuelle Aufgaben durch meine Tutoren zugewiesen bekam, die ihren Schwerpunkt in der Überarbeitung von Verträgen (z.T auch Formulieren „kleiner“ Passagen), Recherche und Erstellen von Memos hatten. Der thematische Schwerpunkt lag dabei überwiegend auf dem GmbH-Recht, auf Verschmelzungen/ Fusionen nach dem UmwG sowie auf Joint- Ventures, dem Insolvenzrecht, der Schiedsgerichtbarkeit (ZPO). Daneben ging es auch um Randgebiete des BGB-Rechts (Verjährungen/ Bürgschaften und Patronatserklärungen/ Wegfall der Geschäftgrundlage etc.) sowie um Fragen des internationalen Privatrechts (das Sachenrecht sowie schuldbefreiende Vertragsübernahmen, unter Berücksichtigung des EGBGB sowie der Rom I- VO, betreffend). Darüberhinaus durfte ich mich aber auch an komplizierten Rechtsfragen in enger Zusammenarbeit mit den Anwälten versuchen, wobei zu loben ist, wie mir alles erklärt wurde und ich auch in diesem Kontext stets Antwort auf all meine Fragen bekam. Dadurch lernte ich auch noch einmal mehr die tatsächliche Arbeit eines Juristen kennen, sich häufig mit Unbekanntem auseinandersetzen zu müssen und sich Lösungen logisch sowie auch durch Gespräche mit Kollegen herzuleiten. Beispiele für derartige Rechtsfragen waren Folgende: Mögliche Anspruchsgrundlagen aus dem UmwG hinsichtlich Schadensersatzforderungen einzelner Gesellschafter bei fehlerhaften Beschlüssen; die Verantwortlichkeit von Vorständen hinsichtlich der Einberufung von Hauptversammlungen aufgrund Verlangen von Aktionärsminderheiten (gem. §122 AktG), wobei die Tagesordnungspunkte auf der Einladung zur Hauptversammlung vom Aktionärsbegehren abweichen bzw. dieses ergänzen und der Aufsichtsrat von seinem Vorschlagsrecht kein Gebrauch gemacht hat; die Bedeutung und die Folgen der Gläubigerschädigung durch Zahlungen trotz Insolvenz einer GmbH, wobei diese Zahlungen letztlich als Sanierungsmaßnahmen dienten, etc...
Außerdem war es für mich spannend, mit einer Untervollmacht „ausgestattet“ alleine einen Notartermin wahrzunehmen, bei welchem es um die Übertragung von GmbH-Anteilen auf einen bisherigen Minderheitsgesellschafter der GmbH. Nicht nur, dass ich alleine auf diesem Termin war, war interessant, sondern vielmehr, dass sich im Laufe des Termins, d.h. im Rahmen des Vorlesens des Vertrags durch den Notar, noch Lücken, Verbesserungsmöglichkeiten sowie Ergänzungen (wenn auch nur geringfügiger Art) den Vertragstext betreffend ergaben. In Rücksprache mit den Anwälten ergänzten bzw. korrigierten wir den Text schließlich und nach ca. 2,5 Stunden hatte ich meinen ersten Notartermin absolviert.
Abschließend ist nun noch einmal festzuhalten und zu betonen, dass ich dieses Sommerpraktikum in all seinen Details nicht vergessen werde, fachlich wie auch menschlich viel gelernt habe, tolle Menschen kennenlernen durfte und für mich selbst hoffe, eines Tages vielleicht selbst an "meine Praktikanten" so viel weitergeben zu können.
Veronika Wimmer
Erfahrungsberichte:
Veronika Wimmer

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