Praktikum bei Hengeler Mueller

Gleich der Auftakt zeigte, in welche Richtung mein vierwöchiges Praktikum im Frankfurter Büro von Hengeler Mueller gehen sollte: Hoch hinaus. Das Praktikum begann mit dem Empfang der 13 Praktikanten in einem der Konferenzräume in den luftigen Höhen des 25. Stockwerks des "WestendDuo"

Meine Anbindung und Tätigkeit

Nachdem ich bereits im universitären Schwerpunktstudium einiges theoretisches Wissen im Bereich des Wirtschaftsrechts gesammelt hatte, war es an der Zeit einen Blick auf die Umsetzung der Theorie in die Praxis zu werfen. Und Hengeler Mueller hatte bestens dafür Sorge getragen, dass ich meine Zeit nicht damit verbrachte, den beeindruckenden Ausblick auf die Frankfurter Skyline zu genießen.

Wie jeder Praktikant bekam ich zwei Associates als Tutoren zugeteilt, wobei ich es bei der Zuteilung nicht besser hätte treffen können. Ich wurde, so gut es in der kurzen und viel zu schnell vorübergehenden Zeit von vier Wochen möglich ist, in die tägliche Arbeit meiner Tutoren eingebunden, die sich nicht nur immer die Zeit nahmen, mir die Arbeitsaufträge zu erläutern und Kenntnislücken zu schließen bzw. komplett neues Wissen aufzubauen, sondern vielmehr auch die einzelnen Arbeitsaufträge im Gesamtzusammenhang des Mandats verordneten, was das Verständnis und auch die Motivation erheblich förderte. Besonders positiv empfand ich die Anbindung an zwei Rechtsanwälte, die in verschiedenen Bereichen tätig sind, da dies das eigene Aufgabenfeld und den dadurch gewonnen Einblick naturgemäß enorm erhöhte.

Nun aber zu der Frage, wie mein vielfältiges Tätigkeitsfeld aussah. Ich durfte an der Erstellung eines Prospekts zur Kapitalerhöhung einer Aktiengesellschaft sowie der Umstrukturierung von Fremdfinanzierungen mitarbeiten. Ich befasste mich mit Fragen des Bankrechts, insbesondere dem überraschend interessanten Bankaufsichtsrecht, und hatte Notizen zu Fragen der Eigenkapitalausstattung von Kreditinstituten, den Pflichten eines Bankkunden gegenüber der Bank oder der Ermittlung des Emittenten eines Wertpapiers durch formale oder wirtschaftliche Betrachtung zu erstellen. Ein Mal war der Frage nachzugehen, inwiefern auf einer Hauptversammlung von der den Aktionären mitgeteilten Tagesordnung abgewichen werden darf. Ein anderes Mal hieß es, die Erwiderung auf ein Gutachten eines Sachverständigen zur Bestimmung eines Zinssatzes vorzubereiten. Dass daneben unter anderem auch die insolvenzrechtliche Frage, der Anfechtbarkeit einer Vermögensverfügung einer Tochtergesellschaft durch den Insolvenzverwalter der Muttergesellschaft, auf meinem Schreibtisch landete, kann angesichts der derzeitigen Weltwirtschaftskrise nicht überraschen. Hinzu kamen aber weiterhin auch Ausflüge in das Arbeits- und Sozialrecht, das Steuerrecht und das internationale Privatrecht. Abgerundet wurde dieses breite Aufgabenfeld durch die Teilnahme an Mandantengesprächen. Da ich vom ersten bis zum letzten Tag stets mehrere interessante Arbeitsaufträge hatte, wurde es nie langweilig.

Die Arbeitsatmosphäre

Dass die Arbeit in einer Großkanzlei mit hochkarätigen Mandaten und spannenden Aufgaben einhergeht, ist kein Geheimnis. Bemerkenswert fand ich jedoch die angenehme, freundliche Arbeitsatmosphäre bei Hengeler Mueller: Von Kälte und Konkurrenzkampf keine Spur. Es war sicherlich positiv, dass eigene Büro mit zwei Praktikantinnen und einem Referendar zu teilen, mit denen man sich jederzeit austauschen konnte. Jedoch wurde den Praktikanten von Anfang an ein Gefühl des Willkommenseins und der Wertschätzung vermittelt. So konnte man jederzeit nicht nur die eigenen Tutoren, sondern alle Mitarbeiter um Rat fragen. Mag manch einer zu Beginn noch über die Bestimmung in der Anweisung zur Sicherheit am Arbeitsplatz geschmunzelt haben, nach der man unbekannte Personen doch bitte melden solle, so erübrigte sich dies doch nach recht kurzer Zeit, da man alle Mitarbeiter auf dem eigenen Flur und darüber hinaus auch viele mehr kennen gelernt hatte.
Ein treffendes Symbol für die Arbeitsatmosphäre befand sich am Ende des Flures auf meinem Stockwerk: Dort hatten zwei Partner zwischen ihren Büros einen Tischkicker aufgestellt, der auch keineswegs nur der Dekoration diente.

Das Rahmenprogramm

Einen erheblichen Beitrag zu dieser ungezwungenen Atmosphäre leisteten auch die gemeinsamen Mittagessen mit den Tutoren und die "Social Events", die den Arbeitsalltag auflockerten und die Möglichkeit boten, Anwälte, Referendare und andere Praktikanten fern vom Büro kennenzulernen. Hengeler Mueller hatte sich einiges einfallen lassen: So standen der Besuch einer Frankfurter Apfelweinkneipe (bei dem allerdings nicht alle meine Frankfurter Begeisterung für "Ebbelwoi" teilen wollten), ein Team-Klettern sowie eine Führung durch das Kunstmuseum "Städl" mit anschließendem Abendessen auf dem Programm.
Auch ansonsten bot die Ausgestaltung des Praktikums nicht als Einzelpraktikum, sondern als Programm eine Reihe Vorteile: Man konnte sich mit den anderen Praktikanten austauschen und konnte ein wenig über den Tellerrand des eigenen Tätigkeitsfeldes hinausschauen. Auch wenn mein Aufgabenfeld wahrlich nicht zu klein bemessen war, so half dies doch einen umfassenden Überblick über die Tätigkeit der Kanzlei zu bekommen.

Einmal die Woche wurde vormittags im Rahmen eines "Corporate Breakfast" bei einem leckeren Frühstück ein Arbeitsbereich von Hengeler Mueller vorgestellt, etwa die Durchführung einer "Due Diligence" oder die Bereiche "Arbitration and Litigation" sowie Arbeitsrecht. Erhielt man aufgrund der Kürze des Praktikums zumeist nur einen punktuellen Einblick in einzelne Mandate, so bot die ebenfalls im Rahmen mehrerer "Corporate Breakfasts" abgehaltene Fallstudie zu einem fiktiven Unternehmenskauf die Möglichkeit, die Fülle einzelner Schritte einer solchen Transaktion kennenzulernen. Nach einer Erläuterung des Bereichs M&A, hieß es zunächst eine eigene kleine "Due Diligence" durchzuführen und später einen Vertragsentwurf zu überarbeiten. Ein weiteres Highlight war der einmal die Woche in Kleingruppen stattfindende Unterricht in Wirtschaftsenglisch. Zudem standen der Besuch der Europäischen Zentralbank, bei dem uns deren Aufgabenkreis und Funktionsweise erläutert wurde sowie der Besuch einer Verhandlung vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe auf dem Programm.

Fazit

Jedem, der Interesse am Wirtschaftsrecht hat und einen Einblick in die Arbeit in einer Großkanzlei erhalten will, sei das Praktikum bei Hengeler Mueller wärmstens empfohlen. Die anspruchsvolle, doch gerade deswegen interessante Arbeit in Kombination mit der angenehmen Arbeitsatmosphäre sorgt für eine äußerst interessante und lehrreiche Zeit. Ich jedenfalls kann mich nur noch einmal bei meinen Tutoren, den Organisatoren und allen anderen, die zu dem Praktikum beigetragen haben, bedanken.

Till Hiemenz-Müller


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